Cushing (PPID) und Tellerhufe beim Pferd – Ursache, Zusammenhang und richtige Hufbearbeitung

Veröffentlicht am 27.02.2026 Uhr


Einleitung

Tellerhufe gehören zu den am häufigsten diskutierten Hufproblemen bei älteren Pferden. In der Praxis wird die Ursache oft vorschnell bei der Hufbearbeitung gesucht. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch: Sehr viele Tellerhufe haben eine systemische Ursache – und Cushing (PPID) spielt dabei eine zentrale Rolle.

Dieser Beitrag erklärt den direkten und indirekten Zusammenhang zwischen PPID und Tellerhufen, räumt mit typischen Fehleinschätzungen auf und zeigt, worauf Hufbearbeiter, Tierärzte und Pferdebesitzer achten müssen.


Was ist Cushing (PPID)?

Das Equine Cushing Syndrom, korrekt PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), ist eine hormonelle Erkrankung des Pferdes. Sie betrifft vor allem ältere Tiere, kann aber auch jüngere Pferde treffen.

Kurz erklärt

  • Degeneration dopaminerger Nervenzellen im Gehirn
  • Überaktivität der Hypophyse
  • Dauerhaft erhöhter ACTH- und Cortisolspiegel

Typische Symptome

  • Verändertes oder lockiges Fell
  • Verzögerter Fellwechsel
  • Muskelabbau
  • Leistungsschwäche
  • Infektanfälligkeit
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Hufrehe (akut oder schleichend)

Gerade die Hufrehe ist der entscheidende Faktor im Zusammenhang mit Tellerhufen.


Was sind Tellerhufe?

Ein Tellerhuf ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern das sichtbare Endergebnis längerfristiger struktureller Veränderungen im Huf.

Typische Merkmale

  • Stark nach außen gezogene Hufwand
  • Flacher oder konvex wirkender Sohlenbereich
  • Breite, oft gedehnte weiße Linie
  • Überproportionales Trachtenwachstum
  • Verlust der natürlichen Hufkapselspannung

Wichtig: Ein Tellerhuf entsteht nicht plötzlich, sondern über Monate oder Jahre.


Der Zusammenhang zwischen PPID und Tellerhufen

1. Hormonelle Schwächung von Horn und Bindegewebe

Der dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel bei PPID führt zu:

  • verminderter Hornqualität
  • eingeschränkter Durchblutung
  • geschwächtem Bindegewebe (Laminae)

Die Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel verliert an Stabilität.

2. Schleichende Hufrehe als Hauptursache

Bei PPID-Pferden tritt Hufrehe häufig nicht klassisch akut, sondern schleichend auf:

  • keine deutliche Lahmheit
  • kein typischer Rehestand
  • dennoch dauerhafte Lamellenschäden

Die Folge sind:

  • Absinken des Hufbeins
  • leichte Rotation
  • chronische Entzündungsprozesse

3. Mechanische Folgen im Huf

  • Hufwand wächst nach außen statt nach unten
  • Weiße Linie verbreitert sich
  • Sohle verliert ihre Wölbung
  • Trachten wachsen übermäßig

Ergebnis: Der Huf läuft auseinander – ein Tellerhuf entsteht.


Häufige Fehlannahmen

  • „Der Schmied hat den Huf kaputtgemacht“ – meist falsch, Ursache ist systemisch.
  • „Keine Lahmheit = keine Rehe“ – bei PPID gefährlich falsch.
  • „Tellerhufe sind nur optisch“ – sie zeigen strukturelle Instabilität.

Richtige Herangehensweise bei PPID-Pferden mit Tellerhufen

1. Medizinisches Management

  • ACTH-Diagnostik
  • Konsequente Pergolid-Therapie
  • Regelmäßige Blutkontrollen

2. Fütterungsmanagement

  • Streng zucker- und stärkearm
  • Weidegang stark eingeschränkt
  • Heuanalyse empfohlen

3. Hufbearbeitung

  • Kurze Bearbeitungsintervalle
  • Zehenhebel konsequent reduzieren
  • Trachten kontrolliert halten
  • Last unter das Hufbein bringen

Ob Barhuf oder Beschlag ist zweitrangig – entscheidend ist das biomechanische Konzept.


Prognose

Ein bestehender Tellerhuf lässt sich nicht vollständig rückgängig machen. Das Fortschreiten kann jedoch gestoppt und die Belastbarkeit deutlich verbessert werden.


Fazit

Tellerhufe bei Cushing-Pferden sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis hormoneller Dysregulation und meist Folge schleichender Hufrehe. Wer nur am Huf arbeitet und das System ignoriert, wird scheitern.

Erfolg entsteht nur durch das Zusammenspiel aus Tierarzt, Hufbearbeiter und konsequentem Management.


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